Die Linse zeigt: Libanon 1982

1982 Neunzehnhundertzweiundachtzig

Mi 8. Juni 2022 · 18:30 Uhr

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Im Juni 1982 marschierte die israelische Armee in den Libanon ein; ein Land, das bereits angesichts seines anhaltenden Bürgerkriegs taumelte.

In seinem Spielfilmdebüt betrachtet Regisseur Oualid Mouaness diesen unheilvollen Moment der libanesischen Geschichte von einer anderen Perspektive: durch die Augen eines Kindes in einer Quäkerschule am Stadtrand von Beirut. Als der Konflikt immer näher rückt, versucht der elfjährige Wissam (Mohamad Dalli) erst recht den Mut zu finden, seiner Klassenkameradin seine Verliebtheit zu gestehen. Für einen Träumer wie Wissam, der lieber zeichnet als Fußball spielt, ist die Dimension der drohenden Gewalt schwer zu begreifen. Doch für seine Lehrer*innen Yasmine und Joseph signalisieren die Jets am Himmel große Gefahr. Während sie versuchen, ihre wachsende Angst um der Schüler*innen willen zu verbergen, sind sie, auf verschiedenen politischen Seiten stehend, ebenso bemüht, die Brüche in ihrer Beziehung zu kaschieren.

Oualid Mouaness ist in Liberia geboren und zwischen Monrovia und Beirut im Libanon aufgewachsen. Nach einem Bachelor an der American University in Beirut studierte Mouaness in den USA Drehbuch und Regie. Neben mehreren Kurz- und Dokumentarfilmen produzierte er eine Vielzahl an Musikvideos, u.a. für David Bowie, Annie Lennox und Rihanna.

1982 · Libanon/USA/Norwegen/Katar 2019 · R & Db: Oualid Mouaness · K: Brian Rigney Hubbard • Mit Nadine Labaki, Mohamad Dalli, Gia Madi, Rodrigue Slieman u.a. · engl./arab.OmU · 100'

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Libanon 1982

Von 1975 bis 1990 wird der Libanesische Bürgerkrieg datiert. Schon früh intervenierten syrische Truppen. 1982 griff erstmals die israelische Armee massiv in den Krieg ein. Bachir Gemayel wurde in dem gleichen Jahr zum Präsidenten gewählt und auch ermordet. Zwei Tage später verübten etwa 150 Milizionäre in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila ein Massaker. Wir zeigen sechs Filme, die sich mit dem Krieg und den Folgen beschäftigen.

Am 6. Juni jährt sich die israelische Libanoninvasion zum 40. Mal. Die israelische Armee griff 1982 direkt in den libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990) ein und veränderte seinen Verlauf. Die Invasion und vor allem die Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila wurden in der BRD hart diskutiert und stellten die noch junge Grüne Partei vor eine Zerreisprobe.

Der Bürgerkrieg stoppte 1990 mit einem Waffenstillstandabkommen, er wurde nie offiziell beendet und aufgearbeitet. Während mehrere israelische Spielfilme über die Traumata der an der Invasion beteiligten Soldaten in deutschen Kinos zu sehen waren, sind libanesische Filme, die sich den offenen Kriegswunden stellen weitgehend unbekannt. Es sind vor allem die Kinder des Krieges, die heute an sozialen und politischen Tabus rütteln und einen gesellschaftlichen Dialog fordern.

Die sechs mit zahlreichen internationalen Preisen gewürdigten Filme der Reihe, drei Spielfilme aus dem Libanon, Kanada und Israel sowie drei libanesische Dokumentarfilme, sind wie nahezu alle künstlerischen Werke zum Libanonkrieg autobiographisch und bilden ein ebenso schmerzhaftes wie warmherziges Kaleidoskop des Weiterlebens nach dem Krieg.

Irit Neidhardt | mec film (middle eastern cinemas)

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