Libanon 1982

Von 1975 bis 1990 wird der Libanesische Bürgerkrieg datiert. Schon früh intervenierten syrische Truppen. 1982 griff erstmals die israelische Armee massiv in den Krieg ein. Bachir Gemayel wurde in dem gleichen Jahr zum Präsidenten gewählt und auch ermordet. Zwei Tage später verübten etwa 150 Milizionäre in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila ein Massaker. Wir zeigen sechs Filme, die sich mit dem Krieg und den Folgen beschäftigen.

Am 6. Juni jährt sich die israelische Libanoninvasion zum 40. Mal. Die israelische Armee griff 1982 direkt in den libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990) ein und veränderte seinen Verlauf. Die Invasion und vor allem die Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila wurden in der BRD hart diskutiert und stellten die noch junge Grüne Partei vor eine Zerreisprobe.

Der Bürgerkrieg stoppte 1990 mit einem Waffenstillstandabkommen, er wurde nie offiziell beendet und aufgearbeitet. Während mehrere israelische Spielfilme über die Traumata der an der Invasion beteiligten Soldaten in deutschen Kinos zu sehen waren, sind libanesische Filme, die sich den offenen Kriegswunden stellen weitgehend unbekannt. Es sind vor allem die Kinder des Krieges, die heute an sozialen und politischen Tabus rütteln und einen gesellschaftlichen Dialog fordern.

Die sechs mit zahlreichen internationalen Preisen gewürdigten Filme der Reihe, drei Spielfilme aus dem Libanon, Kanada und Israel sowie drei libanesische Dokumentarfilme, sind wie nahezu alle künstlerischen Werke zum Libanonkrieg autobiographisch und bilden ein ebenso schmerzhaftes wie warmherziges Kaleidoskop des Weiterlebens nach dem Krieg.

Irit Neidhardt | mec film (middle eastern cinemas)

Zusammen mit:

Die Linse zeigt

Erased, Ascent of the Invisible

Mo 4. Juli 2022 · 18:30 Uhr

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Der essayistischen Dokumentarfilm setzt er sich mit den vielen Verschwundenen des Krieges auseinander

2014, an einer Mauer in Beirut kleben hunderte von Postern Schicht für Schicht übereinander. Werbetexte und zerrissene Bilder springen ins Auge: Wohnungen, Backwaren, Konzerte, Darlehen, Restaurants, Klempner, religiöse Fahrten für die Gläubigen … alles! Plötzlich in Mitten dieses Schutts ein Schimmer: das unvollständige Bild eines Gesichts. Nur ein Schnurrbart, die Spur eines Lächelns, ein Kinn und ein Teil eines Ohrs. Auch zu sehen auf dem Bild sind Fragmente einer schwarzen Lederjacke. Ein Vagabund mit einem Bleistift beginnt den Rest des Gesichts zu heilen, die fehlenden Gesichtszüge zu restaurieren. „Das Bild eines Mannes, dessen Gesichtszüge bestechend waren, nahm vor mir Gestalt an! Aber wer ist dieser Mann?“ Auf seiner unruhigen Reise durch Beirut setzen verschiedene Begegnungen und Vorkommnisse den Vagabunden zurück auf seine Fährte, die Spur der Menschen, die im libanesischen Bürgerkrieg verschwunden sind. Aber der Vagabund begegnet einer Stadt, die alles daran setzt, die Spuren unwiederbringlich auszulöschen.

Regisseur Ghassan Halwani lebt und arbeitet in Beirut. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit fokussiert seine Arbeit auf den öffentlichen und politischen Bereich. Derzeit arbeitet er an der Schaffung eines nationalen Archivs über die zwangsweise Verschwundenen im Libanon mit.

TIRSS, RIHLAT AL SOU’OUD ILA AL MAR’I · Libanon 2018 · R, Db & K: Ghassan Halwani, Inka Dewitz, Carine Doumit, Joan Chaker u.a. · engl./arab.OmU · 76'

Zusammen mit:

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Öffnungszeiten der Kinokasse
immer 15 Minuten vor der ersten Vorstellung.

Montag & Dienstag ab ~16:00 Uhr
Mittwoch bis Samstag ab ~15:00 Uhr
Sonntag ab ~10:45 Uhr

Eintrittspreise
Montag bis Donnerstag
€ 8,00 / erm. € 7,00
Treue € 7,00 / Treue erm. € 6,00

Freitag bis Sonntag & an/vor Feiertagen
€ 9,00 / € 7,50 Euro
Treue € 7,50 / Treue erm. € 6,50

unter 16 J.: € 5,50
Kino für Kinder: € 5,00
Soli-Preis: zzgl. € 2,00
Arthouse-Sneak: € 5,00

Tickets: cineplex.de

Bei Sonderveranstaltungen gelten mitunter besondere Preise.

Soli-Ticket "An*Kurbelkiste" zur freiwilligen Unterstützung von Cinema & Kurbelkiste.

Treuekarte "4x zahlen. 4x strahlen." für Vielseher*innen; Gültigkeit 6 Monate, nicht übertragbar. Nach 4x regulärem Eintrittspreis gibt es 4x eine Preisstufe günstiger.

Die Linse zeigt: Libanon 1982

Panoptic

Mi 20. Juli 2022 · 18:30 Uhr

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Panoptic ist der Brief einer Tochter an ihren verstorbenen Vater und der Versuch, sich mit der turbulenten Vergangenheit des Landes auszusöhnen.

»I am talking about a whole military system that is controlling the country without really accusing it of anything. It was only my own memories and traumas.« (Rana Eid in: Emirates Woman)

Durch den Brief einer Tochter an ihren verstorbenen Vater tauchen wir in den Untergrund des mo-dernen Beiruts ein. Hier treffen die Geschehnisse des Bürgerkriegs während ihrer Kindheit auf ein modernes Beirut, das sich mit seiner Vergangenheit nicht beschäftigen will. Eid, die als Soundde-signerin mit unzähligen bekannten RegisseurInnen gearbeitet hat und im Libanon an der Universität Sound unterrichtet, hat hier eine neue Gattung der Stadtsymphonie und des Dokumentarfilmessays geschaffen.

Oft wird im Film Ton als zweitrangig betrachtet, doch Eid beweist das Gegenteil, indem sie anhand des Tons den Bildrhythmus vorgibt und so einen einzigartigen Film schafft, der poetisch ist und die üblichen Erzählweisen auflöst, um etwas komplett Neues entstehen zu lassen. “For me, sound is the identity of the image, and the soundtrack of this film is its identity.” (Rana Eid in: Variety)

Rana Eid wurde in 1976 in Beirut geboren. Sie erhielt 1999 ihren BA in Kino und Filmstudien und 2002 ihren MA in Filmton von der Université Saint Joseph, IESAV, in Beirut. 2002, absolvierte sie ein Aufbaustudium in Tonschnitt in Paris.

BANOPTIC · Libanon 2017 · R: Rana Eid · Db: Rana Eid, Rania Stephan · K: Talal Khoury · arab.OmU · 69'

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Die Linse zeigt: Libanon 1982

The One Man Village

Mi 1. August 2022 · 18:30 Uhr

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Ein Film über die Folgen eines Krieges, ganz ohne Bilder vom Krieg.

Semaan führt ein ruhiges Leben auf seinem Hof in dem kleinen Dorf Ain el-Halazoun in den libanesischen Bergen. Der Ort wurde während der Kämpfe im libanesischen Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 völlig geleert und zerstört. Heute, viele Jahre nach einer offiziellen Aussöhnung, kommen seine ehemaligen Bewohner/innen – alle aus der el-Habre Familie – regelmäßig zurück, um ihr Land zu bewirtschaften und ihre Häuser zu besuchen und verlassen den Ort immer vor Sonnenuntergang.

In seinem tröstenden sowie humorvollen Film beobachtet Simon El Habre das Leben in seinem quasi-Geisterdorf und versucht, die kollektive und individuelle Erinnerung in einem Land zu reflektieren, das anscheinend nichts aus seiner Vergangenheit gelernt hat und für einen neuen Krieg bereit scheint.

SEMAAN BIL DAY'IA · Libanon 2008 · R & Db: Simon El Habre · K: Bassem Fayad, Marc Karam · arab.OmU · 86'

Die Linse zeigt: Libanon 1982

Die Frau, die singt

Mi 17. August 2022 · 18:30 Uhr

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Packende Tragödie um ein erschütterndes Familiengeheimnis vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs im Nahen Osten

Ein gut gehütetes, erschütterndes Familiengeheimnis vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs im Nahen Osten: Denis Villeneuve erzählt in DIE FRAU DIE SINGT eine tief berührende, universale Geschichte, die sich über zwei Generationen erstreckt. Als der Notar Lebel den Zwillingen Jeanne und Simon Marwan den letzten Willen ihrer Mutter Nawal (Lubna Azabal) eröffnet, sind die beiden bass erstaunt, zwei Umschläge überreicht zu bekommen – einen Brief für ihren Vater, von dem sie glaubten, er sei tot, und einen für ihren Bruder, von dessen Existenz sie überhaupt nichts wussten.

Jeanne glaubt, dass in diesem rätselhaften Erbe der Schlüssel zu Nawals Schweigen liegt, in dem sie die letzten fünf Jahre ihres Lebens verbrachte. Sie ist sofort bereit, in den Nahen Osten zu reisen, um die unbekannte Vergangenheit ihrer Mutter zu erkunden. Simon berührt der postume Wille seiner Mutter, die immer kühl und distanziert zu ihm war, nicht. Aber er liebt seine Schwester und begleitet sie in das Land ihrer Vorfahren, auf der Suche nach der Frau Nawal, die so gar nicht ihrer Mutter ähnelt. Mit Hilfe des Notars kommen die Zwillinge der Geschichte der Frau, die sie auf die Welt brachte, auf die Spur und entdecken ihr tragisches, unwiderruflich von Krieg und Hass gezeichnetes Schicksal – und den Mut einer außergewöhnlichen Frau.

Ein Film von Denis Villeneuve (Dune).

INCENDIES · Kanada 2010 · R: Denis Villeneuve · Db: Denis Villeneuve nach dem Theaterstück von Wajdi Mouawad · K: André Turpin • Mit Lubna Azabal, Mélissa Désourmeaux-Poulin, Maxim Gaudette, Rémy Girard u.a. · ab 12 J. · arab./franz.OmU · 133'

Die Linse zeigt: Libanon 1982

The Song of the Valley

Sa 20. August 2022 · 18:30 Uhr
Marie Séférian wird vor dem Film live singen. Nach dem Film Gespräch.

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Vor der Kamera sprechen und singen Libanesen und geflüchtete Syrer von ihren Erlebnissen – mit Musik von Marie Séférian

„Im Libanon kann man nicht leben, überall diese Wärme und Hitze. Syrien ist die Heimat, der Wohnsitz der Beliebten.“ Improvisierend sang der Flüchtling Ammar in einem Flüchtlingscamp in der Nähe von Anjar im Bekaatal an der Grenze zu Syrien und beschrieb damit seinen Unmut, nicht in seine Heimat zurückkehren zu können. Wie Ammar warten hier Millionen auf das Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen in behelfsmäßigen Zeltlagern. Die Metropole Beirut liegt gerade einmal zwei Autostunden davon entfernt. Den ehemaligen Glanz der Region und seiner Hauptstadt Beirut lassen die vor dem Bürgerkrieg gebräuchlichen Bezeichnungen „Paris des Ostens“ für Beirut oder „Schweiz des Orients“ für den Libanon noch erahnen.

Vor der Kamera sprechen und singen Libanesen und geflüchtete Syrer von ihren Erlebnissen, ihrem Alltag, von Wünschen und Träumen, Geschichten ihres jeweiligen Landes nun zusammengeführt auf libanesischem Boden. Sie singen voller Hingabe über die Liebe, ihre Nation und Religionen in ihren zumeist improvisierten Liedern. Zu den überwältigenden Landschaften des Libanongebirges und des paradiesisch anmutenden Bekaatales interpretiert die deutsch libanesische Jazzsängerin Marie Séférian ihre Filmmusik mit ihrer Formation. Es entstand ein Film, der als eine künstlerische Bestandsaufnahme die aktuellen Zustände des krisengeschüttelten Landes dokumentiert und durch die besondere Art der Interviews und ihren Gesangsvortrag den entwurzelten Menschen ein Stück Würde zurückgegeben möchte.

Marie Séférian hat für diesen Film Gedichte von Ihrem Großvater Antoine Safar vertont. Diese hat er 1977 geschrieben, nachdem er aus dem Libanon mit seiner Familie nach Paris geflüchtet war. Zu ihrer langjährigen Quartett-Besetzung hat Séférian einen Oud-Spieler aus Berlin eingeladen, der Halb-Libanese und Halb-Palästinenser ist. Für Marie war es sehr wichtig, dass alle Musiker, die mit ihr zusammen die Musik aufnehmen, das Land vorher erlebt haben. So spielte das Quartett nach einer Konzert-Tour durch den Libanon die Musik im Frühjahr 2017 in Berlin ein.

Deutschland 2020 · R & Db: Matthias Leupold, Marie Séférian · K: Matthias Leupold · 50'

Die Linse zeigt: Libanon 1982

1982 Neunzehnhundertzweiundachtzig

Mi 8. Juni 2022 · 18:30 Uhr

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Im Juni 1982 marschierte die israelische Armee in den Libanon ein; ein Land, das bereits angesichts seines anhaltenden Bürgerkriegs taumelte.

In seinem Spielfilmdebüt betrachtet Regisseur Oualid Mouaness diesen unheilvollen Moment der libanesischen Geschichte von einer anderen Perspektive: durch die Augen eines Kindes in einer Quäkerschule am Stadtrand von Beirut. Als der Konflikt immer näher rückt, versucht der elfjährige Wissam (Mohamad Dalli) erst recht den Mut zu finden, seiner Klassenkameradin seine Verliebtheit zu gestehen. Für einen Träumer wie Wissam, der lieber zeichnet als Fußball spielt, ist die Dimension der drohenden Gewalt schwer zu begreifen. Doch für seine Lehrer*innen Yasmine und Joseph signalisieren die Jets am Himmel große Gefahr. Während sie versuchen, ihre wachsende Angst um der Schüler*innen willen zu verbergen, sind sie, auf verschiedenen politischen Seiten stehend, ebenso bemüht, die Brüche in ihrer Beziehung zu kaschieren.

Oualid Mouaness ist in Liberia geboren und zwischen Monrovia und Beirut im Libanon aufgewachsen. Nach einem Bachelor an der American University in Beirut studierte Mouaness in den USA Drehbuch und Regie. Neben mehreren Kurz- und Dokumentarfilmen produzierte er eine Vielzahl an Musikvideos, u.a. für David Bowie, Annie Lennox und Rihanna.

1982 · Libanon/USA/Norwegen/Katar 2019 · R & Db: Oualid Mouaness · K: Brian Rigney Hubbard • Mit Nadine Labaki, Mohamad Dalli, Gia Madi, Rodrigue Slieman u.a. · engl./arab.OmU · 100'

Die Linse zeigt

Lebanon

Mi 15. Juni 2022 · 18:30 Uhr

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Sommer 1982 – Der erste Tag im Libanon-Krieg: Ein Panzer wird zu einer Routinemission abkommandiert. Die vierköpfige Besatzung, Shmulik, Hertzel, Jigal und ihr Kommandant Assi, hat den Befehl in feindlichem Gebiet eine Siedlung auszukundschaften, die zuvor von der israelischen Luftwaffe bombardiert wurde. Was anfangs als ein ungefährlicher Einsatz gedacht war, gerät nach und nach außer Kontrolle. Völlig unvorbereitet finden sich die jungen Männer innerhalb kürzester Zeit in einem Albtraum wieder. Nur noch ihrer Angst und ihrem Instinkt gehorchend, versuchen die Vier im Chaos des Krieges zu überleben. Verzweifelt bemühen sie sich, ihre Kampf-Maschine durch die zerbombte Stadt zu navigieren, doch der Panzer droht für die eigene Besatzung zur tödlichen Falle zu werden.

»Das Ganze ergibt eine Stimmung, die metaphorisch zum Ausdruck bringt, welche schlimmen Auswirkungen ein Krieg zeitigt – psychologisch und materiell. Regisseur Samuel Maoz, selbst Libanon-Kämpfer, der einen Menschen tötete und seither nach eigener Aussage seine Traumata schlecht bewältigen konnte, hat sein Erlebnis mit einer Härte und Konsequenz dramatisiert und inszeniert, die eigentlich nicht mehr übertroffen werden können. Insofern ein Antikriegsfilm, wie er eindringlicher nicht sein könnte.« (Thomas Engel in programmkino.de)

Israel/Deutschland/Frankreich/Libanon 2009 · R & Db: Samuel Maoz · K: Giora Bejach • Mit Yoav Donat, Itay Tiran, Oshri Cohen, Reymond Amsalem u.a. · ab 16 J. · hebrä.OmU · 93'

Spielplan

Freitag, 8. Juli 2022
18:00
Montag, 11. Juli 2022
20:45
Mittwoch, 13. Juli 2022
18:30
Montag, 18. Juli 2022
18:30
Mittwoch, 20. Juli 2022
18:30
22:15
Sonntag, 24. Juli 2022
11:00
Dienstag, 26. Juli 2022
18:30
Mittwoch, 27. Juli 2022
18:30
Montag, 1. August 2022
18:30
Dienstag, 2. August 2022
18:30
Mittwoch, 3. August 2022
22:15
Montag, 8. August 2022
20:45
Mittwoch, 10. August 2022
18:30
Montag, 15. August 2022
18:30
Mittwoch, 17. August 2022
18:30
Donnerstag, 18. August 2022
20:00
Mittwoch, 24. August 2022
18:30
Donnerstag, 25. August 2022
20:00
Sonntag, 28. August 2022
17:00
Donnerstag, 1. September 2022
20:00
Donnerstag, 8. September 2022
20:00