Die Kinolandschaft 1968 in Münster

1968 übernahm Heiner Pier das Filmtheater „Neuer Krug“ an der Weseler Straße 109, das 1947 als zweites münstersches Kino nach dem Krieg eröffnet wurde. Das Kino gibt es an diesem Standort schon lange nicht mehr, stattdessen befindet sich dort ein Neubau mit einem Netto-Markt.

Das Programm des „Neuen Krugs“ (erst im Mai 1969 wurde es das Cinema) hob sich nicht sonderlich von den Programmen der anderen Kinos ab. Gespielt wurden in dem einen Saal vor genau 50 Jahren drei Filme: der Horrorfilm „Die Satansengel von Nevada“, in der Spätvorstellung Claude Chabrols „Der Tiger liebt nur frisches Fleisch“ und in der Sonntagsmatinee „Ursus, der Unbesiegbare“. Auch wenn es damals noch 10 Kinos gab: das Filmangebot war nicht groß. Schließlich waren alle Kinos noch Einzelhäuser, in denen – genau heute vor 50 Jahren – 18 Filme gezeigt wurden. 2017 haben wir zwar nur noch drei Kinos, dafür aber 15 Säle und 63 Filme.

Den „Westdeutschen Filmtheaterbetrieben", auch „Roland-Kette" genannt, gehörten 1968 vier Kinos: das Roland-Theater (heute GOP), der Fürstenhof (heute Rossmann an der Ludgeristraße), das Schloßtheater (schon damals mit anspruchsvollem Programm) und die Residenz (heute Rewe an der Hammer Straße). Daneben gab es die Schauburg (später Stadt New York) und das Apollo (heute Titus), die der Familie Winter gehörten. Das Rex am Bahnhof (später Metroplis, heute Hochhaus) war das sechste Kino, das Heinz Riech (später UFA) 1959 eröffnete. Das eigentliche Programmkino zu der Zeit – wenn man es so nennen will – war der Gertrudenhof (heute SuperBioMark an der Warendorfer Straße), der immer wieder „Internationale Filmkunstwochen“ veranstaltete. Und dann gab es noch die Aktualitäten-Lichtspiele (Ali Kino) im Bahnhof.

Schon Ende 1968 eröffneten Michael Föllen und Heiner Pier in der Winkelstraße die Kurbelkiste (heute Green Hell) als elftes Kino. Mehr dazu in der nächsten Linse.

Die Kurbelkiste

Schöne Worte fanden die Westfälischen Nachrichten für das neue Kino, das am 21. Dezember 1968 erstmals Filme zeigte: „In der Winkelstraße … eröffnete am Donnerstagabend die Kurbelkiste, Münsters kleinstes, aber auch gemütlichstes Kino, seine Pforten. Die beiden jungen Pächter, Michael Föllen und Heiner Pier, begrüßten ihre Gäste mit einem Gläschen Sekt und bei leiser Wiener Musik. Der dezent ausgestattete Zuschauerraum hat etwa sechzig Plätze. Damit ist die Kurbelkiste eines der kleinsten Kinos in Deutschland. Das ist aber keineswegs ein Nachteil, ganz im Gegenteil: Die Enge gibt der Kurbelkiste das Fluidum des Privaten, man ist unter sich und fühlt sich stark an das Zimmertheater erinnert.“ Die WN schwärmten weiter, dass durch den Einbau einer „Speziallinse“ sogar Cinemascope-Filme und in Stereo gezeigt werden konnten.

Das Programm war ambitioniert: Der Eröffnungsfilm, Die blaue Lola, lief täglich in sieben (7!) Vorstellungen – eine ganze Woche lang. Anders als im Neuen Krug, das überwiegend ein Nachspielhaus der größeren Filme war, sollten in der Kurbelkiste der junge deutsche Film und Filme, „die bei internationalen Filmtagen durchgefallen sind“ (WN) ihren Platz vor einem „kleinen, aber sachverständigen Publikum“ ihren Platz finden.

Obwohl die sieben Vorstellungen sich auf Dauer nicht trugen, war die Kurbelkiste recht

erfolgreich. 1977 konnte das kleine Kino immerhin 40.000 Gäste verzeichnen (im Vergleich: Wir haben heute mit drei Sälen rund 75.000 Gäste) und wurde immer wieder für das herausragende Programm vom Bundesinnenminister ausgezeichnet.

In der Winkelgasse 10  wurden bis Ende 1990 Filme gezeigt. Als Anfang 1981 das Cinema an der Warendorfer Straße eröffnet wurde, zog schließlich die Kurbelkiste im Oktober nach. Aus der Kurbelkiste wurde das Dingsbums und war fortan nur noch Nachspielhaus für das Cinema.

Nach der Übernahme des Cinemas (mit Metropolis und Dingsbums) durch die Münsterschen Filmtheater-Betriebe im Herbst 1990, wurde das kleine Kino endgültig im Dezember 1990 geschlossen. Hans Gerhold schrieb in den WN: „Vermissen indes werden Generationen von Kinogängern das Dingsbums, das sang- und klanglos geschlossen wurde. Keine „last picture show" für ein kleines, aber bis vor einigen Jahren sehr feines Programmkino, in dem nicht nur (Film-)Studenten Filmkunst sahen, lernten und schätzten.“

Heute lebt die Kurbelkiste zwar im Cinema weiter, ist letztendlich aber ein Saal wie das Cinema 1 oder Cinema 2 und mehr Tradition als Programm.

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