»Filme für eine Elite zu drehen ... ist nicht ein Risiko, sondern eine Pflicht. Die wahre Antidemokratie ist die Massenkultur: ein Autor ist also demokratisch, wenn er sich weigert, für die Massenkultur zu arbeiten, und wenn er sich 'absondert', indem er für Menschen aus Fleisch und Blut arbeitet.« P. P. Pasolini

Die Filmpalette jenseits des großen, kommerziellen Kinos ist immens. Die gesamte Bandbreite aufzuzeigen, ist das Kernanliegen von ( Die Linse ). Der Verein widmet sich den Filmen, die in den großen Abspielstätten keinen Platz finden. Die Filme, die wir zeigen, verstehen wir nicht als Ware, sondern als Kulturgut. Wir wollen kulturelle Filmarbeit leisten.

Das Spektrum des Programms reicht vom sozialpolitisch engagierten bis zum künstlerisch ambitionierten Film, vom Film aus Kasachstan oder Togo bis zum deutschen Underground-Film, vom Experimentalfilm bis zur Komödie, vom kurzen Einminüter bis zum Acht-Stunden-Film.

Filmwissenschaftliche, filmhistorische und -pädagogische Vorträge und Diskussionen sind Teil unserer Programmarbeit und nicht seine Ergänzung. Film mit Ausstellungen, Büffet und Gesprächen zu verbinden, gehört zum Konzept. Wir wollen Film in seinen gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und kulturell-künstlerischen Kontext stellen.

»Wir brauchen in Deutschland, ich will es gar nicht leugnen, auf der einen Seite Filme, die Qualität mit Publikums-Appeal verbinden, gelegentlich haben wir ja auch solche. Aber wir brauchen auch Filme, die an die Entwicklung der Formsprache des Kinos arbeiten, neue Horizonte, neue Erfahrungen und neue Genres erschließen, die nicht primär gemacht werden, um ein maximales Einspielergebnis zu erzielen, sondern deshalb, weil ein Filmemacher oder Autor das Thema oder die Formsprache, um die es geht, unbedingt zum Ausdruck bringen muss, aufgrund seiner persönlichen Überzeugung. Wenn wir solche Filme aus unserer filmischen Landschaft ausschließen, dann verödet und verkümmert unsere gesamte Kinematografie.« Ulrich Gregor

 

Die Geschichte der Linse

Vor über 25 Jahren, am Montag, den 24. April 1989, fing alles an: Jens Schneiderheinze und Thomas Behm zeigten im Rahmen des Forum Frieden- Bildungsprogrammes den Film Ich will von Claus Rüttinger und Veronika Brendel in einem Seminarraum als VHS-Video auf einem Fernseher. Jens liefen zu wenig Filme mit schwulem Inhalt in den Kinos und so zeigte er sie halt selber – monatlich einen. Wichtig war, dass die Filmschaffenden oder Verleiher für die Aufführung der Filme bezahlt werden sollten, da nur so das Geld kommt, um neue, gute Filme zu drehen.

Schließlich wurde die Arbeit aufwändiger, da nun auch schon mal 16mm-Filme gezeigt wurden. So zogen sie ins c.u.b.a. um, und die Bildungsveranstaltung bekam mit Rosa Linse einen Namen. Da es beiden zu langweilig wurde „nur“ Filme im schwulen oder lesbischen Kontext zu zeigen, wurde Bunte Farben gegründet. Zusammen mit dem Allerweltskino von Vamos und der Filmreihe der Frauenforschungsstelle Schwarze Witwe bildeten sie nun das cuba-kino, das immerhin 50 bis 60 Plätze (besser: Holzstühle) bot und damals schon fast alle Medien spielen konnte: Video, Super 8, 16mm und seit 1992 auch 35mm. Elke Kaiser und Bridget Leifeld kamen dazu, und das cuba-kino spielte sonntags bis mittwochs jeweils 3 Vorstellungen pro Tag. Danach du danach wurde alles ab- bzw. wieder aufgebaut.

Wurden die Filmabende anfangs über Weiterbildungsgelder finanziert, gab es nun städtische Förderung: Erst 5.000 DM, dann – als es 1994 eine rot-grüne Mehrheit mit Marion Tüns als Oberbürgermeisterin im Rat gab – 60.000 DM. Diese, so war die Auflage, dürfen aber nur für Programmmittel, nicht für Personalkosten ausgegeben werden. Für besondere Programme wie eine Andy-Warhol-Reihe wurden Anträge beim Filmbüro NW gestellt. Im Januar 1995 wurde die Rosa Linse als Verein zur Förderung kommunaler Filmarbeit ins Vereinsregister eingetragen.

Ein Jahr vorher, 1994, übernahmen Thomas und Jens für die Filmwerkstatt die Festivalleitung der filmzwerge (heute Filmfestival Münster) im Schloßtheater. Durch die neuen Kontakte mit den Münsterschen Filmtheaterbetrieben veranstaltete man im Cinema bereits gemeinsam Projekte, wie zum Beispiel das Israelisch-palästinensische Filmfest.

Die Programme, die im cuba-kino stattfanden, siehe hier.

1997 zog die Linse ins Programmkino Cinema um. Hier änderte sich die Arbeit. Im c.u.b.a. machten die „Linsen“ alles selber – von der Programmplanung bis zum Vorführen. Im Cinema nun übernahmen die Kolleginnen und Kollegen aus dem Kino Kasse und Vorführung. Dafür gab es weiterhin gute Programme.

1997 fand In 80 Tagen um die Welt statt. Parallel zur Zeitstruktur im Roman von Jules Verne wurden Filme aus den jeweiligen Städten und Regionen gezeigt. Dabei blieb es nicht aus, dass viele „Wasserfilme“ gezeigt werden mussten. Aber auch diese zeigten die Bandbreite, die Kino ausmacht. Es wurde der experimentelle Wavelength von Michael Snow genauso gezeigt wie Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart, wo Buckelwale gerettet werden mussten.

Im gleichen Jahr fanden zum ersten Mal die lesbisch-schwulen Filmtage Queerstreifen statt, damals noch als Initiativenfestival geplant: Verschiedene münstersche Lesben- und Schwulengruppen hatten Leute in das Vorbereitungsteam entsandt, um das Festival vorzubereiten. Viele dieser Gruppen gibt es mittlerweile nicht mehr, die Queerstreifen hingegen immer noch – und sie sind eines der wichtigsten queeren Events in Münster.

Ein tolles Projekt gab es zwei Jahre später: Anlässlich 10 Jahre Mauerfall führten wir in Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum Potsdam Deutsch-Deutsch: Drei Filmnächte durch. Dabei gab es tolle Gäste, unter anderem die brandenburgische Ex-Sozialministerin Regine Hildebrandt.

Zwei Jahre später gab es ein ähnlich schönes Projekt: An einem Sonntag in der Platte – Vom Leben und Lieben im ostdeutschen Plattenbau und 2002 noch DDR – Fiktion und Wirklichkeit im Film.

Anna Stern kuratierte 2000 und 2001 insgesamt vier Avantgarde- Reihen. 2005 stellten Volker Pantenburg und Nils Plath Topographie im Blick. Filmische Konstruktion von Orten zusammen.

2003 war die Premiere der Reihe Münster – Globale Stadt. Im Mittelpunkt jedes Abends standen MünsteranerInnen und ihre Herkunftsländer. Im Vorprogramm wurde ein filmisches Kurzportrait der ProtagonistInnen gezeigt, anschließend ein Langfilm aus dem jeweiligen Land, eingerahmt von Diskussionen und Zusammensein bei landestypischen Speisen und Musik. Das Projekt wurde vier Mal von uns organisiert und fand viel Beachtung – auch außerhalb von Münster, so dass es oft kopiert wurde.

Eine Zeitlang betrieb die Linse im Ladenlokal neben dem Cinema das _labor – Raum für mediale Vernetzung. Für uns war der Ort Gegenkonzept zum Kino. Im Kino wird der Blick im abgedunkelten Raum auf die Leinwand fokussiert. Das _labor mit seinen vielen Fenstern bot hingegen Transparenz von allen Seiten. Heute ist dort der Weltladen.

Leider reicht der Platz nicht aus, um alle Projekte darzustellen, die wir organisiert haben. Mehr dazu im Internet im Archiv

Spielplan

Samstag, 3. Juni 2017
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Sonntag, 4. Juni 2017
14:45
Montag, 5. Juni 2017
14:45
Mittwoch, 7. Juni 2017
21:00
21:00
Samstag, 10. Juni 2017
14:45
Mittwoch, 14. Juni 2017
19:00
21:00
Sonntag, 18. Juni 2017
14:45
Montag, 19. Juni 2017
19:00
Mittwoch, 21. Juni 2017
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Samstag, 1. Juli 2017
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Sonntag, 2. Juli 2017
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Samstag, 8. Juli 2017
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Sonntag, 9. Juli 2017
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Samstag, 15. Juli 2017
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Sonntag, 16. Juli 2017
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Mittwoch, 19. Juli 2017
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Donnerstag, 27. Juli 2017
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Freitag, 28. Juli 2017
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Samstag, 29. Juli 2017
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Sonntag, 30. Juli 2017
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Mittwoch, 2. August 2017
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