Stadtwerke und Stadt Münster setzen unser sauberes Trinkwasser aufs Spiel

Die vier münsterschen Wasserschutzgebiete (Quelle: Stadtwerke Münster)
Das Wasserwerk Geist mit Versickerungsteichen und Trinkwasserbehältern
55 Prozent unseres Trinkwassers soll bis zum Jahr 2029 aus dem Dortmund-Ems-Kanal kommen

Die Planungen der Stadtwerke und Stadt Münster

Am Mi 12. Juli 2017 wollen die Stadtwerke und die Stadt Münster das DIPOL-Konzept im Rat der Stadt Münster verabschieden.
Angeblich soll DIPOL dem steigenden Wasserbedarf durch die wachsende Stadt Münster Rechnung tragen . Bis 2029 soll es 37.000 zusätzliche Einwohnende geben.

Hier die Seite der Stadtwerke dazu.

Wasserschutzgebiete sollen aufgegeben werden

Schaut man sich die Pläne genauer an, erkennt man, dass es nicht um die Zukunft der Wasserversorgung, sondern um die Schließung zweier innerstädtische Wasserwerke geht und – damit verbunden – zweier Wasserschutzgebiete: Kinderhaus und Geist.

Die Wasserschutzzonen

In den engeren Schutzzonen (Zone II) des Wasserschutzgebietes Geist liegen unter anderem das Preußenstation und das Herz-Jesu-Krankenhaus in Hiltrup. Hier sind zum Beispiel der Neubau von Straßen und Wegen verboten. In jeweils direkter Nachbarschaft liegt die Zone I, in der das Grundwasser entnommen wird.

Baugrund statt Wasserschutz

Um dort zukünftig bauen zu können, stellen die Wasserschutzgebiete ein Hemmnis dar. Außerdem könnten Grundstücke, die jetzt im Wasserschutzgebiet liegen, veräußert werden – das würde ungefähr 15 Mio. Euro einbringen.
Damit die Maßnahme von der Bevölkerung akzeptiert wird, geben Stadt und Stadtwerke vor, dass es ihnen nur um Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit geht.

Trinkwasser in den Dortmund-Ems-Kanal

Würde in den Gebieten nicht mehr abgepumpt werden, würde der Grundwasserspiegel steigen und Keller volllaufen. Schon deshalb gibt es im Geistviertel aktiven Widerstand gegen das DIPOL-Konzept.
Deshalb wollen die Stadtwerke weiter abpumpen und das Wasser in den Dortmund-Ems-Kanal leiten.

Die Zukunft unseres Trinkwassers

Heute werden ein Drittel unseres Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen. Der Rest ist Oberflächenwasser – gespeist aus dem Dortmund-Ems-Kanal (das in den Wasserschutzgebieten versickert wird) und aus dem Halterner Stausee. Die Wasserqualität in Münster ist bisher vergleichsweise gut. Die Nitratbelastung ist in Kinderhaus um 15 mg/l, in Geist und Hohe Ward unter 12 mg/l und in Hornheide sogar unter 9 mg/l.
Durch die Schließung der beiden Wasserwerke Geist und Kinderhaus verzichten Stadtwerke und Stadt Münster in Zukunft auf 1,2 Mio. Kubikmeter Brunnenwasser und wollen in Zukunft über die Hälfte des Wassers aus dem Dortmund-Ems-Kanal gewinnen.

Nach oben

Die Gefährdung unseres Münster-Wassers ist konkret

Schaltschrank im Keller des Wedeler Wasserwerkes brennt
Löschwasser gerät in Rhein
Tankschiff mit Schwefelsäure auf dem Rhein gekentert
Tankschiff-Havarie: Heizöl muss aus Wrack gepumpt werden

Aus 4 mach 2

Obwohl heutzutage in vielen Bereichen auf Dezentralität gesetzt wird, wollen Stadtwerke und Stadt Münster
50 Prozent der Wasserwerke schließen. Begründet wird das auch damit, dass es wirtschaftlich sei, da die beiden Wasserwerke Geist und Kinderhaus saniert werden müssen. Das koste immerhin 5,6 Mio. Euro. Die Sanierung und Aufrüstung der beiden verbleibenden Wasserwerke Hohe Ward und Hornheide soll aber mit 22 Mio. Euro zu Buche schlagen. 2015 machten die Stadtwerke übrigens einen Gewinn von 18,8 Mio. Euro.

Was tun, wenn‘s brennt?

Bisher sind die Stadtwerke Antworten schuldig geblieben, was sie im Katastrophenfall tun wollen. Wie wollen sie die Wasserversorgung gewährleisten, wenn es in einem der verbleibenden Wasserwerke einen längeren Stromausfall gibt? Oder wenn eine Pumpe durch Überhitzung Feuer fängt? Oder wenn es gar einen Terroranschlag auf eines der Pumpwerke gibt? Heute können drei Wasserwerke die Versorgung zumindest teilweise auffangen, in Zukunft wird das nur noch eins können.

Siehe Artikel Schaltschrank im Keller des Wedeler Wasserwerkes brennt.

Schlechteres Wasser durch Klimaveränderungen?

Prognosen nach wird sich das Klima in der Bundesrepublik verändern. Während es in Ostdeutschland im Sommer immer mehr mediterran  – sprich zu trocken wird – wird es in Westdeutschland, besonders Hessen und NRW immer mehr sinnflutartige Regenfälle geben. Die Folgen sind Überschwemmungen und unkontrolliertes Abfließen bzw. Versickern des Wassers. Der Halterner Stausee wird durch die Stever und den Mühlenbach gespeist – beide schlängeln sich durchs Münsterland vorbei an überdüngten Maisfeldern und Schweinemast-Betrieben. Überflutungen  der Gebiete könnten den Nitratgehalt des Trinkwassers deutlich erhöhen und langfristig das Wasser erheblich verteuern, da es aufwändiger gereinigt werden muss.

Wasserreservoir Dortmund-Ems-Kanal?

Stadtwerke und Stadt Münster setzen auf den Dortmund-Ems-Kanal (DEK) als Wasserreservoir – über die Hälfte unseres Trinkwassers soll aus ihm gewonnen werden. Der DEK wird durch die Lippe gespeist und „hat eine ausgezeichnete Qualität“, so die Stadtwerke. Doch auch hier fehlen Krisenszenarien.
Sollte es wieder einen langen, heißen Sommer geben, dürfen die Stadtwerke dem DEK kein Wasser entnehmen – die Schifffahrt geht vor.

Am Kanal lagern aber auch Gefahrenstoffe – zum Beispiel in Gelmer allein 80?Millionen Liter Heizöl, Treibstoffe und Propangas der Westfalen AG.

In Hiltrup schließt das Werksgelände der BASF direkt an den Kanal an. Wenn es brennt, wird das Löschwasser unter Umständen ungehindert in den Kanal fließen.

Zudem wird das Aufkommen der Binnenschifffahrt um mehr als 20 Prozent steigen, durch die Verbreiterung des Kanals werden die Schiffe größer. Statistisch gesehen ist es nur eine Frage der Zeit, bis in Münster ein Schiff havariert.

Nach oben

Es ist 5 vor 12 – 5 Sekunden vor 12 …

Lokale Agenda 21 – was interessieren uns unsere Utopien von gestern?

Vor genau 20 Jahren begann die Stadt Münster mit der Erarbeitung der Lokalen Agenda 21. »Die Lokale Agenda 21 ist der langfristige kommunale Aktionsplan für das 21. Jahrhundert mit dem Ziel der nachhaltigen, zukunftsbeständigen Entwicklung von Städten, Gemeinden und Regionen.« (Stadt Münster).
Leider hat das DIPOL-Konzept nichts mit Nachhaltigkeit zu tun., da es weder Klimaveränderungen noch Krisenszenarien berücksichtigt und unwiderruflich geschützte Wasserschutzgebiete aufgibt.

Ein Wasserwerk aufgeben, ist unwiderruflich

Die Entscheidung im Rat, die die Stadtwerke und die Stadt Münster, herbeiführen wollen, nämlich die Wasserschutzgebiete aufzugeben, ist unwiderruflich. An diesen Orten wird nie wieder ein Wasserschutzgebiet entstehen können. Man hat aber das Gefühl, dass vielen Politikerinnen und Politikern im Rat das nicht bewusst ist.

Bisher kein Widerstand

Erstaunlicherweise gibt es bisher keine Proteste der münsterschen Umweltverbände gegen die Aufgabe der Wasserschutzgebiete. Auch die Grünen haben sich nur nach internen Protesten dazu entschlossen, über die Schließung noch einmal zu beraten. Von den anderen Parteien hört man gar nichts. Wenn es jetzt nicht noch massive Proteste der Münsteranerinnen und Münsteraner gegen  die Schließung der Wasserwerke gibt, wird am Mi 12. Juli 2017 das DIPOL-Konzept verabschiedet.

Bitte protestieren Sie!

Lassen Sie uns die knappe Zeit bis zum 12. Juli nutzen, um doch noch ein Umdenken zu erreichen.

Schreiben Sie an Ihre Zeitung

Leserinnen- und Leserbriefe können schon viel erreichen.
Hier die Kontaktdaten der Westfälischen Nachrichten/Münsterschen Zeitung.

Wenden Sie sich an die Politikerinnen und Politiker

DIese wissen aufgrund der vielen Sitzungsvorlagen vielleicht nicht, worüber sie abstimmen sollen. Hier die Kontakte zu den Ratsfraktionen:

CDU   SPD   Grüne   Linke   FDP   UWG   ÖDP   Piraten

 

Nach oben

Spielplan

Samstag, 1. Juli 2017
14:45
Sonntag, 2. Juli 2017
14:45
Samstag, 8. Juli 2017
14:45
Sonntag, 9. Juli 2017
14:45
Montag, 10. Juli 2017
21:00
Mittwoch, 12. Juli 2017
19:00
Samstag, 15. Juli 2017
14:45
Sonntag, 16. Juli 2017
14:45
Montag, 17. Juli 2017
19:00
Dienstag, 25. Juli 2017
20:30
Freitag, 28. Juli 2017
14:45
Samstag, 29. Juli 2017
14:45
Sonntag, 30. Juli 2017
14:45
Montag, 14. August 2017
21:00
Mittwoch, 16. August 2017
22:45
Montag, 21. August 2017
18:00
Dienstag, 22. August 2017
20:30
Donnerstag, 7. September 2017
20:00