Drehbuch Geschichte

Kamera Kolonial – (Post)Koloniale Perspektiven im Film

Das Kino ist seit seiner Erfindung ein Fenster zur Welt, ein zentrales Medium für die Wahrnehmung von anderen Ländern, Menschen und ihrer Geschichte. Schon vor über 100 Jahren wurden in deutschen und westfälischen Kinos laufende Bilder aus den Kolonien gezeigt und romantisierten so eine Sehnsucht nach der Ferne, befeuerten imperialistische Großmachtträume und verbreiteten rassistische Fantasien. Erst seit den 1960er Jahren meldeten sich kritische Stimmen zu Wort, die das idyllische Bild hinterfragten und mit ihren Filmen eine neue Perspektive auf die die Kolonialgeschichte und ihre Nachwirkungen forderten und förderten. Mit ihnen veränderte sich der westliche Blick, blieb aber weiter eine eigene Interpretation der Geschichte. In der jüngsten Zeit ist die Forderung nach Repräsentation und Selbstbestimmtheit auf der Leinwand in den Fokus gelangt: Statt über die kolonisierten Menschen zu sprechen, sollen sie selbst zu Wort kommen und ihre Erfahrungen teilen können.

Diese Perspektivveränderungen nachzuvollziehen und zu verstehen, ist das Ziel der diesjährigen Filmreihe, die an sechs Themenabenden Filme über Kolonialismus und Postkolonialismus zeigt. Jeder Film wird durch ein Filmgespräch begleitet, das zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem kolonialistischen Erbe, Fragen der Repräsentation und der postkolonialen Sicht auf Film anregt.

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Zusammen mit:

Drehbuch Geschichte: Kamera Kolonial – (Post-)Koloniale Perspektiven im Film

Borga

Di 16. April 2024 • 18:00 Uhr Mit einer Einführung und Gespräch mit Stefan Querl und Tina Adomako

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Der Mythos vom offenherzigen Europa

Die beiden Brüder Kojo und Kofi wachsen auf der Elektroschrott-Müllhalde Agbogbloshie in Ghanas Hauptstadt Accra auf. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie im Betrieb ihres Vaters mit dem Sammeln von Metallen, die sie aus westlichem Müll gewinnen. Eines Tages hat Kojo eine Begegnung mit einem Borga aus Deutschland, die sein Leben für immer verändern wird. Als sich 10 Jahre später die Chance ergibt, selber nach Deutschland zu gehen, zerreißt das Familienband und für Kojo beginnt eine fünfjährige Irrfahrt über die Kontinente. In Deutschland angekommen bemerkt er schnell, dass sein Traum nur ein Mythos ist. Er wird nicht mit offenen Armen empfangen. Aber eine Rückkehr kommt nicht in Frage!

»In meiner Gemeinde hier in Deutschland kennen wir bisher keinen deutschen Film, der eine afrikanische Geschichte aus der Perspektive eines Schwarzen erzählt. BORGA ist die Geschichte meines Vaters, meines Onkels, die Geschichte der meisten Schwarzen, die nach Deutschland kamen und die Geschichte aller, die ihre Heimat in der Hoffnung verlassen haben, ein besseres Leben für ihre Familien und sich selbst zu schaffen. Es ist die Geschichte eines schwarzen Mannes, erzählt ohne Mitleid, einfach schlicht und roh.« (Eugene Boateng)

Deutschland/Ghana 2020 · R: York-Fabian Raabe · Db: York-Fabian Raabe, Toks Körner · K: Tobias von dem Borne • Mit Eugene Boateng, Prince Kuhlmann, Thelma Buabeng, Christiane Paul u.a. · ab 12 J. · 108'

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Drehbuch Geschichte: Kamera Kolonial – (Post-)Koloniale Perspektiven im Film

The Bride

Di 23. April 2024 • 18:00 Uhr Mit einer Einführung und Gespräch von Susanne Köllner

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Die Träume einer jungen Frau in Ruanda

1997, drei Jahre nach dem Völkermord an den Tutsi in Ruanda. Eva träumt davon, Medizin zu studieren. Doch die junge Frau wird von Silas mit Hilfe seiner Freunde entführt. Durch dieses „Guterura“ genannte Ritual wird die Familie der Frau gezwungen einer Heirat ohne Zahlung des Brautpreises zuzustimmen. Sie ist gezwungen, ihr neues Leben mit einem Fremden zu teilen und fühlt sich im Stich gelassen. Silas‘ Cousine wohnt im selben Haus wie sie. Während Silas arbeitet, entwickeln sich zwischen den beiden jungen Frauen eine vertrauensvolle Verbindung. Während sie ihre Tage mit Hausarbeit, Perlenstickerei, Teekochen verbringen tauschen sie ihre Familiengeschichten und Erinnerungen an den Völkermord aus. So entdeckt Eva auch die traumatische Vergangenheit ihre Familie. Trotz dieser neu gefundenen Verbündeten denkt Eva darüber nach, in ein Leben in Freiheit zu fliehen, so wie sie es sich vorgestellt hat.

In ihrem ersten Spielfilm THE BRIDE thematisiert die Regisseurin Myriam U. Birara das Trauma der Gesellschaft anhand der Freundschaft zweier Frauen.

Ruanda 2023 · R & Db: Myriam U. Birara · K: Bora Shingiro • Mit Aline Amike, Daniel Gaga, Beatrice Mukandayishimiye, Fabiola Mukasekuru, Sandra Umulisa u.a. · ruand.OmeU · 73'

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Drehbuch Geschichte: Kamera Kolonial – (Post-)Koloniale Perspektiven im Film

Stop Filming Us

Di 30. April 2024 • 18:00 Uhr Mit einer Einführung von Jens Schneiderheinze und anschl. Gesprächh

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Die Bilder der Europäer von afrikanischen Ländern

In den letzten Jahrzehnten ist es zu einem Kinderspiel geworden, sich Bilder von anderen Länder zu machen. Die Menschen können zwar über Geschehnisse in einem Land lesen, aber es ist erwiesen, dass eine emotionale Verbindung nur dann entsteht, wenn man es mit eigenen Augen sieht. Die Stadt Goma in der Demokratischen Republik Kongo ist von diesem Trend nicht ausgenommen. Das Bild, das die Welt von diesem Land zeichnet, ist nicht sehr schmeichelhaft. Nach jahrelanger negativer Presse kommt Regisseur Joris Postema in die Stadt, um ihre positiven Seiten zu beleuchten und der Welt hoffentlich eine neue Perspektive zu vermitteln.

Es gibt jedoch ein kleines Problem, denn einige der Einheimischen beginnen zu zweifeln, ob seine Anwesenheit ihrem Image wirklich zuträglich ist, und ob sie nach so viel falscher Darstellung überhaupt noch gefilmt werden wollen. Überall, wo er hinkommt, ist ein Gefühl des Unwohlseins gegenüber Ausländern zu spüren. Postema begibt sich auf eine unerwartete Reise, auf der er seine eigenen Vorurteile und Wahrnehmungen überdenkt, und nimmt die Zuschauer*innen mit an einen Ort, an dem ganz andere Moralvorstellungen herrschen als bei uns. STOP FILMING US ist ein faszinierender Einblick in eine andere Kultur, der unsere Wahrnehmung hinterfragt, die wir haben, wenn wir uns mit anderen vergleichen.

Niederlande 2020 · R: Joris Postema · Db: Joris Postema, Harmen Jalvingh • Mit Mugabo Baritegera Ley Uwera Ganza Buroko TD Jack Muhindo Gaus Kowene Juny Sikabwe Bernadette Vivuya · suah./niederl./engl./franz.OmU · 95'

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Der vermessene Mensch

Di 19. März 2024 • 18:00 Uhr Mit einer Einführung und anschl. Filmgespräch

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Die Weiße Sicht der Dinge

Ende des 19. Jahrhunderts: Alexander Hoffmann ist ein ehrgeiziger Ethnologie-Doktorand. Als im Zuge der „Deutschen Kolonial-Ausstellung” eine Delegation von Herero und Nama aus der Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ nach Berlin reist, lernt Hoffmann die Dolmetscherin Kezia Kambazembi kennen. Er entwickelt ein intensives Interesse an den Herero und Nama und widerspricht nach den Begegnungen und Gesprächen mit ihnen der gängigen evolutionistischen Rassentheorie.

Während der Aufstand der Herero und Nama in der Kolonie mit einem blutigen Vernichtungskrieg niedergeschlagen wird, reist Hoffmann im Schutz der kaiserlichen Armee durch das Land und sammelt zurückgelassene Artefakte und Kunstgegenstände. In Wahrheit sucht er jedoch weiter nach Beweisen für seine These – und nach Kezia. Vor Ort erlebt er, wie die deutschen Soldaten ihren Genozid ausführen. Auch der Ethnologe überschreitet zunehmend moralische Grenzen, als er einwilligt, seinem Berliner Professor Schädel und Skelette von toten Herero zum Zwecke der Forschung zu schicken.

Die Erzählung des Films stieß u.a. auf große Kritik Schwarzer Filmschaffender in Deutschland. Die Einführung zum Film möchte diese Kritik aufnehmen und damit den Blick auf rassistische Muster schärfen.

Namibia/Deutschland/Südafrika 2022 · R & Db: Lars Kraume · K: Jens Harant • Mit Leonard Scheicher, Girley Charlene Jazama, Peter Simonischek, Sven Schelker, Max Philip Koch u.a. · ab 12 J. · 116'

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Öffnungszeiten der Kinokasse
immer 15 Minuten vor der ersten Vorstellung.

Eintrittspreise
Regulär
9,00 EUR
erm. 7,50 EUR

Familienkino
6,00 EUR

Münster-Pass
6,00 EUR

Unter 16 Jahren
6,00 EUR
(bis 18:30 Uhr)

Donnerstag ist Studitag
6,00 EUR
(für alle, die in Ausbildung jeglicher Art sind)

Arthouse-Sneak
6,00 EUR
(Sneak-Deal 11,00 EUR)

Tickets: cineplex.de

Bei Sonder- veranstaltungen gelten mitunter besondere Preise.

Soli-Ticket "An*Kurbelkiste": Zuschlag von 2,00 EUR zur freiwilligen Unterstützung von Cinema & Kurbelkiste.

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Frauen, Masken und Dämonen

Mo 25. März 2024 • 18:00 Uhr Mit einer Einführung und anschl. Filmgespräch

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Rassistische und sexistische Stereotype in exotisierenden Dokumentarfilmen

Schon mit 17 Jahren zieht es den Hamburger Hans Schomburgk gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Afrika, wo er nicht nur zahlreiche Expeditionen unternimmt, sondern auch das Medium Film für sich entdeckt. Zunächst zieht er auf eine Farm in Südafrika und kämpfte auf Seiten der Natal- Polizei im Burenkrieg. Danach war er Polizeioffizier in Nordrhodesien (heute Sambia), Großwildjäger und als Forschungsreisender unterwegs. Er kartografierte im Auftrag des jungen Staates Liberia, entdeckte neue Regionen in Südangola und ihm wird die Entdeckung der Tsetsefliege als Überträger der Schlafkrankheit zugeschrieben. Fast drei Jahrzehnte lang dokumentierte er Tierwelt und Menschen auf dem ganzen Kontinent. Seine Aufnahmen definieren das Afrikabild des deutschen Kinopublikums enorm, gleichzeitig bedienen sie dabei allerdings auch rassistische und sexistische Stereotype. Schomburgk schafft mit seinen teils exotisiernden Bildern Afrikas den Gegenpol zu der von Wissenschaft und Technik beherrschten Zivilisation in Europa. Später missbrauchen die Nazis seine Filme und verbieten ihm wegen seiner halbjüdischen Herkunft weitere Arbeiten und vernichten zum Teil sein Archiv.

Deutschland 1948 · R: Hans Schomburgk · K: James S. Hodgson, Eugen Hrich, Emil Keim, Paul Lieberenz · ab 16 J. · 77'

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Heia Safari – Die Legende von der deutschen Kolonial-Idylle in Afrika

Di 9. April 2024 • 18:00 Uhr Mit einer Einführung und Gespräch von Julia Paulus

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Die Legende von der deutschen Kolonialherrschaft in Afrika

Gestützt auf Recherchen in Tansania und Kamerun sowie auf offizielle deutsche Dokumente, greift Ralph Giordano die Klischeevorstellung eines gerechten und erfolgreichen deutschen Kolonialismus in Afrika an. Er wendet sich vor allem gegen die nach dem Ersten Weltkrieg aufgebrachte Legende, der deutsche Kolonialismus sei „besser“ gewesen, als der der anderen Kolonialmächte.

Die 1966 ausgestrahlte Dokumentation gilt als eine der frühesten kritischen Auseinandersetzung des bundesdeutschen Fernsehens mit der deutschen Kolonialpolitik in Afrika. Nach einem unerwartet heftigen Proteststurm reagierte der WDR im Februar 1967 mit einer Podiumsdiskussion, an der unter anderem Historiker und Museumsleiter, ein Vertreter des Afrika-Vereins, Ralph Giordano und der verantwortliche Redakteur Dieter Gütt teilnehmen.

Deutschland 1966 · R: Ralph Giordano, Claus-Ferdinand Siegfried · Db: Ralph Giordano · K: Josef Kaufmann, Rolf Schmechel · 99'

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Spielplan

Montag, 29. April 2024
18:00
Dienstag, 30. April 2024
18:00
Samstag, 11. Mai 2024
19:30
Sonntag, 12. Mai 2024
15:00
Mittwoch, 15. Mai 2024
18:15
Mittwoch, 22. Mai 2024
18:00
Samstag, 25. Mai 2024
19:00
Donnerstag, 23. Mai 2024
Neu!
Donnerstag, 30. Mai 2024
Neu!
Montag, 10. Juni 2024
20:45
Mittwoch, 19. Juni 2024
18:00
Sonntag, 23. Juni 2024
17:00